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DIE ECHTE
WELT DER COMICS

Ich bin in den 70er Jahren in einem holländischen Dorf aufgewachsen, in dem es immer Herbst war. Es gab immer Wind und Regen. Mein Bruder und ich spielten im Schilf am IJsselmeer. Wir bauten dort Hütten und gruben Fallgruben für andere Kinder. Manchmal zogen wir, bewaffnet mit Holzschilden und Schwertern, über den Deich in ein anderes Dorf, um einen Streit auszutragen.

Ansonsten gab es nicht viel zu tun.

Irgendwann nahm uns mein Vater mit ins Dorfgemeinschaftshaus. Dort war ein Raum als Bibliothek eingerichtet. Das war eine Offenbarung für mich. Die Bibliothek war nicht groß, aber sie hatte eine ganze Reihe von Regalen mit Büchern und auch Kisten voller Comics. Meine Liebe zu Comics und zur Welt der Comics wurde an diesem Ort, in dieser einfachen Dorfbibliothek, zum Leben erweckt.

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ZEIT

Nach dieser ersten Begegnung mit der echten Comicwelt sollte es ein halbes Jahrhundert dauern, bis ich den Schritt zur Parallel Comic World wagte. Ein halbes Jahrhundert!

Es gibt Dinge, die einem als Mensch leichtfallen. Es gibt auch Dinge, die Zeit brauchen. Der Plan, eine imaginäre Comicwelt zu erschaffen, brauchte Zeit. Irgendwo im Hintergrund schlummerte diese Idee schon seit Jahrzehnten in meinen Gedanken. Aber der richtige Moment war noch nicht gekommen. Oder vielleicht besser gesagt: Ich selbst war noch nicht bereit dafür.

Das Entwerfen einer Welt ist nicht dasselbe wie ein Ausflug zum Supermarkt oder ein Auftrag für eine Werbeagentur. Ich war mir bewusst, dass dies ein außerordentlich anspruchsvolles Projekt sein würde, das nicht nur Jahre an Zeit und Aufmerksamkeit erfordern würde, sondern auch Kompetenz, Erfahrung und Handwerkskunst.

 

Verfüge ich derzeit über genügend Erfahrung, Kompetenz und Handwerkskunst? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aber die Zeit ist auf jeden Fall gekommen. Und die Entscheidung ist gefallen...

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UNSERE ENTSCHEIDUNGEN FORMEN DIE WELT

Die ukrainische Familie Beresniak beschloss im Jahr 1905, nach Frankreich auszuwandern. Diese Entscheidung sollte weitreichende Folgen haben. Denn Tochter Anna Beresniak lernte in Paris den jungen polnischen Ingenieur Stanislas Goscinny kennen. Sie heirateten und aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor: Claude im Jahr 1920 und später, im Jahr 1926, René!

René Goscinny! Jeder Comic-Fan kennt seinen Namen. Ohne ihn hätten wir weder Asterix noch Lucky Luke gehabt. Und wenn die ukrainische Familie Beresniak sich 1905 nicht für die Auswanderung nach Frankreich entschieden hätte, hätten wir nicht einmal René Goscinny gehabt.

Unsere Entscheidungen formen die Welt. Manchmal sind es wohlüberlegte Entscheidungen, manchmal zufällige, aber immer formen sie die Welt. Und darum geht es in diesem Projekt. Parallel Comic World handelt von den Entscheidungen, die wir treffen, und gleichzeitig von den Entscheidungen, die wir nicht treffen...

DER AUSGANGSPUNKT

Die Entscheidungen, die wir treffen, bestimmen den Verlauf unseres Lebens und die Entwicklung der Welt. Hätte Muhammad Ali sich nicht für das Boxen entschieden, wäre dieser Mann vielleicht Hundefotograf geworden, oder Reiseleiter, oder eine lebende Statue.

Auch in der Welt der Comics prägen Entscheidungen das Bild: Hergé traf Entscheidungen und schuf damit Tim und Struppi. Charlier und Giraud wählten einen Weg, der sie zu Blueberry führte. Und so traf jeder Comiczeichner Entscheidungen, die zusammen zu einem Gesamtwerk führten.

Die Frage, die sich an diesem Ausgangspunkt stellt, lautet: Was wäre passiert, wenn die Autoren andere Entscheidungen getroffen hätten? Wie würde die Welt der Comics heute aussehen?

 

Leider gibt es keine sinnvolle Antwort auf diese Frage. Wir können höchstens Vermutungen anstellen oder Vorschläge unterbreiten. Und Letzteres ist im Wesentlichen das, was Parallel Comic World tut. Auf dieser Bühne werden Vorschläge gemacht. Parallel Comic World ist im Wesentlichen eine Darstellung von Entscheidungen, die in der realen Comicwelt nie getroffen wurden.

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FRAGMENTE

So wie ein Trailer einen Einblick in einen Film gibt, der bald in die Kinos kommt, so bietet Parallel Comic World Einblicke in die Regionen einer imaginären Comicwelt. Die Türen zu dieser Welt öffnen sich nur einen Spalt breit. Eigentlich bekommt der Betrachter nur eine Kostprobe, einen kleinen Vorgeschmack. Wir spähen durch ein Schlüsselloch in der Wand und sehen isolierte Fragmente aus einer Geschichte, die nie wirklich existiert hat. Wir sehen Szenen, Cover, Seiten. Manchmal sehen wir sogar nur einen Ausschnitt eines Bildes.

Parallel Comic World bietet Öffnungen. Es bietet Schnipsel und Fragmente, in denen Atmosphäre, Genre und Form zum Vorschein kommen, ohne dass sich jemals die vollständige Linie einer Geschichte abzeichnet. Das Ausfüllen der Peripherie, das Überlegen und Konstruieren der dazugehörigen Geschichten steht jedem frei und ist der Vorstellungskraft des Betrachters überlassen.

Vielfalt ist ein wichtiges Element der Sammlung. Genau wie in der echten Comicwelt sehen wir in Parallel Comic World eine große Vielfalt an Stilen und Formen.

Innerhalb des Spektrums sehen wir Bewegungen: von karikaturistisch zu realistisch, von fließend zu starr, von rau zu poliert. Manchmal sehen wir elegante Linien, wie von einem Pinsel, manchmal sind sie auch kratzig, als wären sie von einem abgenutzten Stift gesetzt worden. Manchmal wirken die Zeichnungen unschuldig und naiv, manchmal auch weltlich und durchdacht.

Für den Illustrator sind mit der konsequenten Arbeit in verschiedenen Stilen spezifische Schwierigkeiten verbunden. Phänomene wie das 'Muskelgedächtnis' und das 'visuelle Gedächtnis' zwingen den Illustrator in erworbene Routinen. Sie zwingen die Hand des Zeichners, Linien aus Gewohnheit und Automatismus zu ziehen, wodurch es leicht zu 'Stilbrüchen' kommt.

 

Bei der Erstellung der Sammlung für Parallel Comic World hat all dies natürlich auch mich beeinflusst. Tatsächlich war dies für mich die größte Herausforderung des Projekts.

VIELFALT


HOMOGENITÄT

Es gibt Schauspieler, die scheinbar mühelos ihre Gestalt verändern können. Diese Menschen verschwinden in ihrer Rolle. Man erkennt sie fast nicht wieder. Sie bedienen sich keiner festen 'Typologie' oder Tricks.

 

Christian Bale... Cate Blanchett... Daniel Day-Lewis... Charlize Theron... Sie alle sind so vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser. Und das Schöne daran ist: Das wird gesehen und geschätzt. In der Welt der Schauspieler gilt Vielseitigkeit als ein Merkmal der Größten ihres Fachs.

In der Musik sehen wir eine ähnliche Anerkennung. Sänger und Sängerinnen mit einem breiten Spektrum gelten als talentiert und beeindruckend. Denken Sie an Bowie, Lady Gaga oder Freddie Mercury...

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In der bildenden Kunst ist das anders. Der Kunstmarkt bedient sich Etiketten. Künstler „müssen” homogene Werke schaffen, d. h. Werke, die zu einem erkennbaren Oeuvre passen. Stilistische Sprünge werden dabei selten geschätzt.

Dies stellte mich vor eine Schwierigkeit. Die Vielseitigkeit – die ein wichtiges und unverzichtbares Element in Parallel Comic World ist – kann in elitären Kreisen als Mangel an klarer Handschrift interpretiert werden.

 

Um solche Ansichten zu entkräften, habe ich in diesem Projekt eine Struktur geschaffen, die für Einheitlichkeit sorgt. Diese Struktur bedarf keiner Erklärung: Sie vermittelt sich von selbst. Es zeigt sich sogar so deutlich, dass man, wenn man zehn Bilder aus Parallel Comic World zusammen mit einem beliebigen anderen Bild aufhängt, das man das abweichendes Bild sofort erkennt.

DER BLEISTIFT

Wo Pinsel und Tinte entscheidend und verbindlich sind, hört der Bleistift weiterhin zu. In jeder Linie steckt Zweifel, und genau darin wächst die Schönheit. Der Bleistift ist der erste Atemzug jeder Zeichnung.

Ehrlich gesagt habe ich mir immer lieber Bleistiftskizzen angesehen als einen kolorierten Comic. In Skizzen erkennt man den Geist des Schöpfers. Der Bleistift erzählt uns etwas über den Zeichner. An den Linien sieht man, ob gezögert wurde. An der Härte sieht man, wann die Entscheidungen gefallen sind. Jede Zeichnung entsteht aus dieser wunderbaren Symbiose von Graphit und Papier.

Und dann ist da natürlich noch die Unverbindlichkeit. Nichts in Parallel Comic World ist endgültig. Nichts ist fertig. Wir betrachten Fragmente, unverbindliche Ausschnitte. Der Bleistift passt mühelos zu diesem explorativen Konzept. Er kennt keine Verpflichtungen, verlangt keine Perfektion, nur Aufmerksamkeit, Offenheit und Geduld. So entsteht aus einer einfachen Spitze eine ganze Welt.

FORMAT

Als ich zum ersten Mal hoch in den Bergen war, fiel mir auf, wie überwältigend die Natur dort war. Die grandiosen Dimensionen und imposanten Panoramen haben mich tief beeindruckt, und diese Erinnerung hat mich nie losgelassen.

Unser Gehirn ist darauf programmiert, Relevanz in der Umgebung schnell zu erkennen. Große Objekte fallen ins Auge. Sie beanspruchen Raum und dominieren das visuelle Feld. Man erinnert sich besser an sie als an kleine Dinge. Eine Kathedrale ist einschüchternder als ein Wohnwagen, und ein Wal flößt mehr Ehrfurcht ein als ein Stichling.

Mit all dem im Hinterkopf beschloss ich, Parallel Comic World eine großformatige Statur zu verleihen. Das erschien mir nicht nur bedeutungsvoll, sondern auch begeisternd. Ich verspürte das persönliche Verlangen, etwas so Großes zu schaffen, dass ich buchstäblich einen Schritt zurücktreten musste, um das gesamte Feld meiner Arbeit überblicken zu können.

ERNEUERUNG

Manchmal hört man, dass Erneuerung in der Zeichenkunst und Malerei nicht mehr denkbar sei. 'Alles ist schon gemacht worden', heißt es. Und seien wir ehrlich: In diesem Bereich ist tatsächlich schon sehr viel geschaffen worden. Wir blicken auf eine lange Geschichte von Bildern, Stilen und Techniken zurück. Im Laufe der Jahrhunderte ist so viel entstanden, dass wir das Spektrum kaum noch überblicken können: von Höhlenmalereien bis hin zu KI-Produktionen. Von der Figuration zur Abstraktion. Von linear zu malerisch. Von naturalistisch zu stilisiert.​ Auf den ersten Blick scheinen alle formalen Optionen ausgeschöpft zu sein.

 

Trotzdem ist Innovation glücklicherweise denkbar. Parallel Comic World ist ein Beweis dafür. Originalität und Vorstellungskraft nehmen einen wichtigen Platz in diesem Projekt ein und bringen verschiedene Innovationen auf schlüssige Weise zusammen:

  • Konzeptionell: Die Gestaltung einer imaginären Comicwelt.

  • Ausführung: Diese Welt in Form von isolierten Fragmenten zeigen.

  • Integration: Zusammenführung der vielfältigen Fragmente zu einer harmonischen und homogene Sammlung.

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Alles ist
schon gemacht worden..

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RICHTUNG

Alice: ‘Would you tell me, please, which way I ought to go from here?’

The Cat: ‘That depends a good deal on where you want to get to.’

Alice: ‘I don't much care where.’

The Cat: ‘Then it doesn't much matter which way you go.’

Alice: ‘…So long as I get somewhere.’

The Cat: ‘Oh, you're sure to do that, if only you walk long enough.’

                                                      Lewis Carroll, Alice in Wonderland

Parallel Comic World besteht aus einer wachsenden Sammlung von Werken in verschiedenen Formen und Stilen. Wenn es uns vergönnt ist, wird diese Sammlung in den kommenden Jahren weiter wachsen – auf einer ungezwungenen Reise. Ohne Pfade die zwingen, oder Schilder die die Richtung vorgeben. Der Raum gibt die Freiheit, umherzustreifen. Es gibt kein Ziel, und das Gebiet vor uns kennt keine Grenzen. Spielt es eine Rolle, welchen Kurs wir einschlagen? Was mich betrifft, werden wir uns alle Optionen offenhalten und sehen, wohin uns der Wind treibt.

ANERKENNUNG

Lange Zeit galten Comics als als eine Form der Zerstreuung. Das Medium war beliebt, erschien in Massenauflagen und diente der Entspannung. Comics gehörten zum Alltag und hatten gerade deshalb keinen Platz in der Welt der Kunst.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts änderte sich dies allmählich. Das Festival d'Angoulême legitimierte den Comic als kulturelles Phänomen, und Autoren wie Moebius, Tardi und Hugo Pratt erlangten zunehmende Anerkennung. In den USA erlebten wir fast zeitgleich den Aufstieg der Underground Comix und der Graphic Novel. Dort sahen wir auch, wie Art Spiegelman mit seinem Werk 'Maus' den renommierten Pulitzer-Preis gewann.

Insbesondere in Belgien, Frankreich, Japan und den USA gibt es heute eine breite Anerkennung des Comics als Kunstform. Auch in vielen anderen Ländern nimmt die Wertschätzung stetig zu. Parallel Comic World unterstützt diese Entwicklung von ganzem Herzen und strebt danach, zu dieser wachsenden Anerkennung beizutragen.

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